Diversifiziert investieren ohne Aktienindex

Auch mit Direktanlagen in Aktien kann man diversifiziert investiert sein. Dafür braucht es keinen Indexfonds, denn Ökonomen haben nachgewiesen, dass die Vorteile der Diversifikation im eigenen Portfolio schon mit wenigen Aktien erzielt werden. Ab 20 bis 30 Aktien bringen weitere Aktientitel in der Praxis nur noch einen marginalen Diversifikationsnutzen.

Gegenüber einem Indexfonds hat das eigene, diversifizierte Aktienportfolio den Vorteil, dass weniger Kommissionen anfallen, kein Gegenparteirisiko besteht und man nicht zuviele von den zu teueren Aktien hält. Wir nennen das Do-it-yourself Indexing und führen dazu ein FlipBoard Magazin.

Diversifziert angelegt ist man, wenn die folgenden drei Punkte berücksichtigt werden:

Über die Zeit hinweg diversifizieren

Zuerst ein Punkt, der oft vergessen wird: Aktienkäufe und -verkäufe sollten immer über längere Zeiträume hinweg getätigt werden. Also nie: "Jetzt wird investiert und hinein in alle Aktien". Viel besser ist es, wenn der Anlagebetrag in Phasen des Portfolioausbaus über Monate hinweg investiert wird und umgekehrt. Also:

Slowly in
Slowly out
That's what safe investing is all about


Denn man weiss nie wo die Höhen und Tiefen der Aktienmärkte liegen.

Branchen und Grössenklassen mischen

Man muss davon ausgehen, dass Branchen mit rosigen Zukunftsaussichten im allgemeinen höher bewertet werden als Branchen mit schlechten Aussichten. Deshalb werfen die guten Branchen kaum eine höhere Rendite ab als die schlechten. Man sieht das auch an den Obermatt Fokusmärkten. Die Fokusmärkte sind nicht besser oder schlechter als die regionalen Aktienindizes wie aus dem Renditevergleich aller Märkte hervorgeht. Ein spezieller Branchenfokus macht also selten Sinn, denn die zu erwartenden Renditen sind nicht besser.

Auch auf bestimmte Grössenklassen der Unternehmen sollte man nicht setzen, denn sie verhalten sich je nach Marktphase unterschiedlich. In guten Zeiten profitieren in der Regel kleinere Aktien mehr, weil allgemein weniger Bedenken bestehen, in Aktien zu investieren. Wenn die Zeiten härter werden, profitieren die Grossen mehr, weil Aktionäre sich in die Sicherheit flüchten. Da man nicht weiss, was die Zukunft bringt, ist zu empfehlen, auch die Grössenklassen im Portfolio zu mischen. Aus Sicherheitsgründen halten Laien allerdings bevorzugt eher grössere Aktientitel, denn diese sind generell stabiler.

Besser diversifiziert als ein Index

Es wird oft angenommen, dass die best diversifizierte Anlage ein Aktienindex ist. Dem ist aber nicht so. Oft sind Aktienindizes nur mässig diversifiziert weil, sie nach Marktkapitalisierung gewichtet sind. Teure Aktien sind im Index also bedeutender als günstigere. In der Schweiz hielt man mit dem grössten Aktienindex, dem SMI, vor der Kreditkrise vor allem Bankaktien, ein halbes Duzend Jahre später hielt man vor allem Nahrungsmittel- und Pharma-Aktien. Zum Zeitpunkt, als man wenig Finanztitel halten sollte, hielt man also gerade besonders viel, wenn man in den SMI Index investiert war.

Sogar der mächtige Standart & Poor's 500 Index war während gewissen Perioden so stark von nur einer Aktie - Apple - beeinflusst, dass man die S&P 500 Renditen mit und ohne Apple auszuweisen musste. Und selbst beim MSCI World mit stolzen 1'600 Aktien war zu Beginn 2015 jede fünfte Aktie ein Finanztitel. Die Welt konsumiert aber nicht zu 20% Finanzen, sondern - streng genommen - alles andere. Was man allgemein unter dem Weltmarkt versteht, wird deshalb mit dem MSCI World nur schlecht abgebildet. Dies ist bei kleineren Länderindexen noch stärker der Fall. Im englischen FTSE100 Index kauft man vor allem Ölaktien, im DAX ist es die chemische Industrie und die Automobilhersteller.

Anleger kaufen daher mit Indexfonds nicht immer eine diversifizierte Anlage auf den Gesamtmarkt, sondern oft einen bestimmten Branchenschwerpunkt, den man oft gar nicht kennt. Viel besser diversifiziert als mancher Index ist daher das mehr oder weniger gleich gewichtete Halten von 20 bis 30 Aktientiteln, was wir Do-it-yourself Index nennen. Und man kann dabei erst noch selbst definieren, was der Markt eigentlich ist - ohne sich auf Dritte verlassen zu müssen, die vielleicht die Welt ganz anders sehen.