Sulzer: Zurück im OMSP1 und mittendrin in der Energiewende

Sulzer: Zurück im OMSP1 und mittendrin in der Energiewende

Quick Facts

Pros

Cons

Diesen Monat tritt Sulzer dem Obermatt Swiss Pearls Index (OMSP1) bei, während Lindt & Sprüngli ausscheidet. Lindt ist ein gutes Unternehmen mit einer der bekanntesten Marken der Welt, aber mit einer Obermatt 360° Sicht von 17 erfüllt es die Kriterien des Index nicht mehr in der Gesamtbetrachtung. Sulzers Rückkehr ist eine andere Geschichte. Als Sulzer im vergangenen September aus dem Index ausschied, lag das Ranking knapp unterhalb der Schwelle, ein enger Entscheid in einem wettbewerbsstarken Feld von 36 Aktien. Seither hat sich das vollständige Bild gezeigt, und es ist ein starkes.

Ausserhalb der Schweiz haben die meisten Menschen noch nie von Sulzer gehört. Das ist nicht ungewöhnlich. Die Unternehmen, die dafür sorgen, dass die Welt funktioniert, sind selten im Rampenlicht. Gegründet 1834 in Winterthur als Eisengiesserei, stellte Sulzer zunächst Gusseisen, Feuerwehrpumpen und Textilmaschinen her. Ende des 19. Jahrhunderts führte eine Zusammenarbeit mit Rudolf Diesel zum ersten Sulzer-Dieselmotor. Jahrzehntelang war Sulzer einer der grössten Industriearbeitgeber der Schweiz. Heute ist das Unternehmen ein weltweit führender Anbieter von Flüssigtechnik: Wenn etwas im industriellen Massstab gepumpt, gemischt, getrennt oder gereinigt werden muss, ist mit grosser Wahrscheinlichkeit Sulzer-Technologie im Einsatz.

Das Unternehmen gliedert sich in drei Divisionen. Flow produziert Pumpen, Rührwerke und Kompressoren für Wasser, Energie, Öl und Gas sowie die Lebensmittelindustrie. Services wartet und modernisiert rotierende Maschinen, Turbinen, Motoren und Kompressoren, sowohl für Sulzers eigene Anlagen als auch für Drittanbieter. Chemtech liefert Trenn- und Mischtechnologie für die Chemie- und Petrochemiebranche sowie zunehmend für CO2-Abscheidung und Recyclinganwendungen. Einer dieser Märkte verdient besondere Aufmerksamkeit. Die weltweite Wassernachfrage wird bis 2050 voraussichtlich um 55% steigen, während die verfügbare Menge im gleichen Zeitraum um 40% sinken dürfte. Sulzer unterstützt bereits die Aufbereitung von täglich mehr als 66 Millionen Kubikmetern Wasser, hat über CHF 10 Millionen in US-Fertigungskapazitäten investiert, um den wachsenden Investitionszyklus in der amerikanischen Wasserinfrastruktur zu bedienen, und hat im September 2025 die Probig GmbH erworben, einen deutschen Spezialisten für Wasser- und Abwasserbehandlung.

Was das Geschäftsmodell widerstandsfähig macht: Das Aftermarket-Servicegeschäft macht 62% des Umsatzes aus. Wenn Kunden grosse Investitionsprojekte verschieben, müssen ihre bestehenden Anlagen trotzdem gewartet werden. Diese wiederkehrende Basis bietet eine Stabilität, die rein projektgetriebene Industrieunternehmen selten erreichen. Sie zieht auch langfristige Verträge mit grossen, bonitätsstarken Kunden an. Allein im ersten Halbjahr 2025 sicherte sich Sulzer drei separate Fünfjahresverträge mit QatarEnergy für Rotating-Equipment-Services an den Standorten Mesaieed, Dukhan und auf den Offshore-Anlagen sowie einen Fünfjahresvertrag mit dem südafrikanischen Energieversorger Eskom zur Überholung von fünf Gasturbinen. Diesen Monat gab das Unternehmen ausserdem einen Fünfjahres-Rahmenvertrag mit Aramco bekannt, der die Lieferung von Kreiselpumpen, Ersatzteilen und Aftermarket-Services für Aramcos weltweite Betriebe umfasst, mit Option auf Verlängerung um weitere drei Jahre. Das sind keine kleinen Erfolge.

Sulzers globale Präsenz spiegelt sich auch in der geografischen Struktur des Unternehmens wider. Europa, der Nahe Osten und Afrika machen 42% des Auftragseingangs aus, die Americas 38% und Asien-Pazifik 20%. Eine ausgewogene Aufstellung, die es dem Unternehmen erlaubt, regionale Schwächen oder politische Unsicherheiten abzufedern. Sie erklärt auch, warum der starke Franken zwar in den ausgewiesenen Zahlen spürbar ist, aber nicht das eigentliche Geschäft trifft: 2025 reduzierten Währungseffekte den berichteten Auftragseingang und Umsatz um rund CHF 190 Millionen, während das organische Wachstum durchgehend solide blieb.

Die operative Verbesserung der letzten drei Jahre ist real und konsequent. 2022 lag die EBITDA-Marge bei 8,5%. Als Sulzer den Index im vergangenen September verliess, war die Richtung bereits klar, aber das vollständige Bild noch nicht sichtbar. Die H1-Zahlen 2025 zeigten solides Umsatzwachstum und eine steigende Marge, doch der Auftragseingang war schwach: Grosse Projekte in Öl, Gas und Chemtech waren von Kunden in einem vorsichtigen Investitionsklima verschoben worden. Die Q3-Meldung im Oktober, die nur wenige Wochen nach dem Aktientausch veröffentlicht wurde, zeigte ein ermutigenderes Bild. Der Auftragseingang erholte sich, die Services-Division wuchs um über 13%, die Guidance wurde bestätigt, und sowohl Stifel Nicolaus als auch Kepler Capital bekräftigten ihre Kaufempfehlungen. Als die Jahreszahlen im Februar 2026 vorlagen, war das Bild vollständig. Die EBITDA-Marge hatte 15,6% erreicht, ein Gewinn von mehr als 700 Basispunkten seit 2022, das Betriebsergebnis stieg um 18% und der Gewinn je Aktie um 19%. Die Aktie legte am Ergebnistag um mehr als 7% zu. Heute steht der Analystenkon­sens auf Kaufen, mit einem durchschnittlichen 12-Monats-Kursziel von CHF 187. Das Management steuert für 2026 auf 16,5%, und ein Book-to-Bill-Verhältnis von 1,06 bestätigt, dass mehr neue Aufträge eingehen als ausgeliefert werden. Das ist die vollständige Geschichte hinter einem Sentiment-Rang von 93.

Für den OMSP1 bringt Sulzer etwas mit, das im Index bisher wenig vertreten ist: ein breit aufgestelltes Schweizer Industrieunternehmen mit echter Exponierung gegenüber Energiewende und Wasserinfrastruktur, einer nachgewiesenen Margenentwicklung und einem Management, das über drei Jahre bewiesen hat, dass die Strategie funktioniert. Die Obermatt 360° Sicht von 88 spiegelt all das wider, mit einem Sentiment-Rang von 93, einem Wachstumsrang von 78 und einem Value-Rang von 71, der zeigt, dass die Aktie noch nicht auf Perfektion bepreist ist.

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