OMV Petrom und Romgaz: Die Unternehmen hinter Europas grösstem Gasprojekt

OMV Petrom und Romgaz: Die Unternehmen hinter Europas grösstem Gasprojekt

Europas Energielandschaft wird gerade neu gezeichnet. Und diesmal verlaufen die Linien durch das Schwarze Meer.

Im Januar 2025 wurde der russische Gastransit durch die Ukraine endgültig eingestellt. Eine sechzig Jahre alte Versorgungsroute, über Nacht verschwunden. Die EU lässt nun bis 2027 sämtliche russischen Gasimporte auslaufen, wobei Verbote für kurzfristige russische LNG-Verträge bereits im April 2026 in Kraft treten. Gleichzeitig hat die Iran-Krise die Ölpreise über 100 Dollar pro Barrel getrieben und einen ohnehin angespannten Markt weiter verschärft. Ungarn, die Slowakei und Österreich, einst stark abhängig von russischem Pipelinegas, suchen händeringend nach Alternativen. Und ganz Europa stellt sich eine einfache Frage: Woher soll das Gas kommen?

Eine Antwort liegt etwa 160 km vor der rumänischen Küste, tief unter dem Schwarzen Meer.

Neptun Deep: Das grösste Gasprojekt der EU

Das Neptun-Deep-Projekt ist die grösste Offshore-Gasentwicklung in der Europäischen Union. Zwei Unternehmen teilen es sich zu gleichen Teilen: OMV Petrom, der grösste integrierte Energieproduzent in Südosteuropa, und Romgaz, Rumäniens grösster Erdgasproduzent und -lieferant. Jeder hält einen Anteil von 50%.

Die Zahlen sind beeindruckend. Bis zu 4 Milliarden Euro Gesamtinvestition. Rund 100 Milliarden Kubikmeter förderbares Gas. Eine jährliche Produktion von etwa 8 Milliarden Kubikmetern, sobald die volle Kapazität erreicht ist. Das reicht, um den Bedarf von rund 4,3 Millionen rumänischen Haushalten dreissigmal zu decken. Laut dem rumänischen Energieminister liegt das Projekt sogar vor dem Zeitplan, und die erste Gaslieferung könnte in der ersten Hälfte 2027 erfolgen.

An Land verbindet die neue Tuzla-Podisor-Pipeline das Gasfeld mit dem BRUA-Korridor (Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Österreich). Rumänien baut zudem die Verbindungskapazitäten mit Bulgarien, Ungarn und Serbien aus und erwägt ein LNG-Terminal an der Schwarzmeerküste bis 2028. Sobald Neptun Deep in Betrieb ist, wird Rumänien zum grössten Gasproduzenten der EU, was dem Land und seinen Nachbarn eine inländische Alternative zu russischen Importen bietet, genau in dem Moment, in dem der Kontinent es am dringendsten braucht. Über die gesamte Projektlaufzeit soll Neptun Deep dem rumänischen Staatshaushalt Einnahmen von rund 20 Milliarden Euro einbringen.

Warum Rumänien für Investoren?

Für Anleger, die sich zum ersten Mal mit dieser Region beschäftigen, bietet Rumänien eine interessante Kombination. Das Land ist seit 2007 EU-Mitglied, liegt an einem strategischen Knotenpunkt zwischen Mitteleuropa, dem Schwarzen Meer und dem westlichen Balkan und hat einen der niedrigsten Unternehmenssteuersätze in der EU.

Die rumänische Gesetzgebung gewährt ausländischen Investoren eine Inländerbehandlung. Das heisst, ausländische und inländische Investoren werden gleichbehandelt. Ausländische Investoren können Unternehmen in vollem Eigenbesitz gründen, 100% der Nachsteuergewinne repatriieren und frei auf die inländischen Märkte zugreifen.

Es gibt natürlich Nuancen. Der Energiesektor hat häufige regulatorische Änderungen erlebt. Eine Übergewinnsteuer gilt für Gasproduzenten. Und FDI-Screening-Regeln gelten für Investitionen über 2 Millionen Euro in strategischen Sektoren wie Energie. Aber der Gesamtrahmen hat bedeutende ausländische Investitionen angezogen, unter anderem aus Österreich (OMV), Frankreich, Deutschland und den USA.

Beide Unternehmen sind an der Bukarester Börse kotiert. OMV Petrom (Ticker: SNP) wird von der österreichischen OMV mit 51,2% mehrheitlich kontrolliert, wobei der rumänische Staat etwa 20,7% hält. Bemerkenswert ist, dass rumänische Aktionäre insgesamt über 43% der Aktien halten, darunter fast 500'000 Einzelanleger und Pensionsfonds. Romgaz (Ticker: SNG) befindet sich zu rund 70% in Staatsbesitz.

Die zwei Unternehmen: Ein kurzes Profil

OMV Petrom operiert über die gesamte Wertschöpfungskette: Exploration und Produktion, eine Raffinerie mit 4,5 Millionen Tonnen Kapazität, rund 780 Tankstellen in vier Ländern und ein 860 MW Gaskraftwerk. Die jährliche Kohlenwasserstoffproduktion beträgt etwa 38-40 Millionen Barrel Öläquivalent. 1857 gegründet, ist es eines der ältesten Ölunternehmen der Welt.

Romgaz ist stärker fokussiert: Erdgasexploration, -produktion und -versorgung, plus etwas Stromerzeugung. Die eigentliche Geschichte ist Neptun Deep. Für Romgaz ist dieses Projekt transformativ. Analysten erwarten, dass es die Gasproduktion um etwa 75% steigern und die Gewinne um rund 40% anheben wird, sobald der Vollbetrieb ab 2028 erreicht ist.

Der Vergleich: Obermatt-Ränge

Wie schneiden die beiden durch die Obermatt-Brille ab? Hier sind die aktuellen Ränge. Sie verschieben sich über die Zeit, deshalb ist dies eine Momentaufnahme, die die strukturellen Unterschiede hervorhebt.

Value: Vorteil OMV Petrom

Rang
OMV Petrom
Romgaz
Value Rang
30
8
Highlight: Dividendenrendite
83
30

Keine der beiden Aktien ist günstig. Aber OMV Petrom hat eine herausragende Kennzahl: einen Dividendenrendite-Rang von 83, ausgezeichnet für ertragsorientierte Anleger. Romgaz hat seine Ausschüttungsquote während der intensiven Neptun-Deep-Investitionsphase auf 30% des Nettogewinns gesenkt, was die Rendite drückt. Bei den Bewertungsmultiplikatoren sehen beide teuer aus im Vergleich zu Peers, wobei Romgaz' P/S-Rang von nur 5 darauf hindeutet, dass der Markt bereits viel vom Neptun-Potenzial eingepreist hat. Wer Erträge priorisiert, für den gewinnt OMV Petrom diese Runde.

Growth: Vorteil Romgaz

Rang
OMV Petrom
Romgaz
Growth Rang
35
68
Highlight: Kapitalwachstum
78
84
Aktienrendite
57
88

Hier vergrössert sich der Abstand. Romgaz' Growth-Rang von 68 ist fast doppelt so hoch wie OMV Petroms 35. Das Kapitalwachstum sticht mit 84 gegenüber 78 hervor und spiegelt das Ausmass von Romgaz' Investitionen im Verhältnis zu seiner Grösse wider. Die Aktienrendite zeigt ein noch klareres Bild: 88 gegenüber 57. Der Markt honoriert die Transformation von Romgaz. Das Umsatzwachstum ist bei beiden schwach (10 und 4), was die Normalisierung der Energiepreise nach dem Höchststand 2022-2023 widerspiegelt. Aber in Sachen Dynamik hat Romgaz klar die Nase vorn.

Safety: Überraschungsvorteil Romgaz

Rang
OMV Petrom
Romgaz
Safety Rang
59
88
Highlight: Liquidität
41
92
Verschuldung
89
76

Trotz erheblicher Schuldenaufnahme für Neptun Deep hält Romgaz einen Safety-Rang von 88, deutlich über den 59 von OMV Petrom. Der Schlüssel ist die Liquidität: Romgaz erreicht 92, OMV Petrom nur 41. OMV Petroms Verschuldungs-Rang von 89 ist ausgezeichnet und spiegelt die Unterstützung durch den Mutterkonzern OMV wider. Aber die Werte bei Refinanzierung (33) und Liquidität (41) deuten auf kurzfristige Bilanzanspannung hin. Historisch haben beide Unternehmen sehr hohe Safety-Werte erzielt, weshalb die aktuellen Zahlen bei OMV Petrom Beachtung verdienen.

Sentiment: Am Tiefpunkt bei beiden

Rang
OMV Petrom
Romgaz
Sentiment Rang
9
10
Highlight: Analystenmeinungen
5
1

Beide Sentiment-Ränge sind von starken Niveaus im Jahr 2023 auf einstellige Werte gefallen. Analystenmeinungen liegen bei beiden nahe am Tiefpunkt. Professionelle Analysten sind vorsichtiger geworden, wahrscheinlich aufgrund niedrigerer Energiepreiserwartungen und Unsicherheit rund um den Investitionszyklus.

Das ist ein klassisches Contrarian-Setup. Wenn die Stimmung nahe am Boden ist, während die Fundamentaldaten intakt bleiben und ein grosses Projekt auf Kurs ist, kann das eine Gelegenheit signalisieren. Ob der Markt zu Recht vorsichtig ist oder ob er überkorrigiert hat, müssen Anleger selbst beurteilen.

Das Fazit

Romgaz eignet sich für Anleger, die am transformativen Aufwärtspotenzial von Neptun Deep teilhaben möchten. Das Unternehmen hat den stärkeren Growth-Rang (68 vs. 35), die bessere Safety (88 vs. 59) und höhere Aktienrenditen (88 vs. 57). Der Kompromiss ist ein schwächeres Bewertungsprofil und reduzierte Dividenden während der Investitionsphase. Romgaz ist das stärkere Überzeugungsinvestment in Rumäniens Gaszukunft.

OMV Petrom eignet sich für Anleger, die ein diversifiziertes Energieunternehmen mit starken Dividendenerträgen (Dividendenrendite-Rang 83) und der Stabilität der OMV-Mehrheitsbeteiligung bevorzugen. Es bietet Raffination, Tankstellennetz und Stromerzeugung neben dem Upstream-Geschäft. Die niedrigeren Ränge bei Growth und Safety spiegeln die Dynamik eines breiteren Geschäfts wider, nicht zwingend Schwäche.

Beide Unternehmen halten den gleichen Anteil am selben Projekt. Die Frage ist, welches Profil zum eigenen Investitionsansatz passt: der fokussierte Gasproduzent, der gross auf Transformation setzt, oder der diversifizierte Energiekonzern mit einem stetigeren Einkommensstrom.

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