14. Juni 2019

Apple, Samsung oder Cola? Der Value-Rang hilft beim Anlegen



Was die Grundidee hinter dem Obermatt Value-Rang ist, haben wir bereits in zwei Videos thematisiert (Mit dem Value-Rang arbeiten | Detailränge interpretieren). In diesem Video werden wir nun echte Aktien unter die Lupe nehmen, damit ein Gefühl entwickelt wird, wie anhand von konkreten Beispielen mit den Value-Rängen gearbeitet werden kann.

Die Aktienanalysen, die wir hier besprechen, sind nicht mehr aktuell. Nutzen Sie die Analysen also nicht für den tatsächlichen Aktienkauf. Alles, was wir hier zusammen erarbeiten, soll Ihnen einzig dazu dienen, wie Sie mit den Obermatt Value-Rängen arbeiten können.

Schauen wir uns nun Aktien von Unternehmen an, die wir bereits gut kennen. Zum Beispiel aus dem Bereich der Mobiltelefone: Samsung aus Korea und Apple aus den USA. Die Asiaten weisen einen Aktienkurs von 45 CHF bei einem Jahresumsatz von 210 Milliarden auf. Die Aktie der Amerikaner liegt bei 188 CHF, während der Umsatz sich auf 260 Milliarden beläuft. Welche der beiden Firmen ist nun billiger? Sie können es nicht sagen, weil die Unternehmen sich in der Anzahl der Aktien unterscheiden, die sie auf dem Markt haben. Und genau deshalb brauchen Sie die Value-Ränge. Sie zeigen Ihnen viel mehr als nur den Preis. Sie setzen den Preis ins Verhältnis zur Grösse des Unternehmens. Die Obermatt Value-Ränge für die beiden Aktien sind:

Apple und Samsung Ränge

Dies bedeutet: Der Markt erwartet, dass Apple viel stärker wachsen wird als Samsung. Tatsächlich muss Samsung überhaupt nicht mehr als seine Konkurrenten wachsen, da es mit einem Value-Rang von 98 günstiger ist als praktisch alle anderen vergleichbaren Unternehmen.

Ergibt das einen Sinn für Sie? Für mich nicht. Apple ist bereits sehr gross und auch nicht mehr so wirklich aufregend. Nach dem Zuckerhoch der iPhone-Einführung – was allerdings auch schon über ein Jahrzehnt zurückliegt – hat Apple nichts wirklich Spannendes auf den Markt gebracht. ...meiner Meinung nach. Vielleicht mag Apple ja noch etwas mehr als Samsung wachsen, aber bestimmt nicht so viel wie es die Value-Ränge vermuten lassen. So schätze ich persönlich die Zukunft jedenfalls ein. Sie können sich selbst eine Meinung dazu machen und damit dann auch zu einem anderen Schluss kommen.

So könnten Sie zum Beispiel argumentieren, dass Apple über eine viel bessere Sicherheitstechnologie als jeder andere Mitbewerber auf dem Markt verfügt. Und betrachtet man etwa den Value-Rang von 32, so heisst dies, dass Apple bloss besser als 68% seiner Mitbewerber abschneiden braucht. Die Entscheidung wäre dann für Sie eine einfache Sache: Sie kaufen Apple-Aktien!

Was Sie hier also machen, ist das in Verbindung-bringen von Gegenwart und Zukunft: Sie bringen den Value-Rang, der die Gegenwart des Unternehmens repräsentiert, in Verbindung zu den Aussichten, die Sie persönlich in Zukunft vom Unternehmen erwarten. Auf diese Weise erschaffen Sie Ihre eigene Investitionsgeschichte, von der dann auch primär Sie profitieren.

Wechseln wir nun zu einer anderen Branche, die wir ebenfalls gut kennen: die Automobilindustrie. Auch hier bleibt das Prinzip dasselbe – wir bringen den Value-Rang der Unternehmen in Verbindung zu deren Zukunftsaussichten. Dabei müsste das Unternehmen mit dem höchsten Value-Rang eigentlich die schlechtesten Aussichten besitzen, wogegen der Automobilhersteller mit dem niedrigsten Rang das teuerste Unternehmen mit der rosigsten Zukunft sein müsste. Das zumindest spiegelt der aktuelle Aktienpreis, der in den Value-Rang eingeflossen ist. Die Obermatt Value-Ränge waren zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels die folgenden:

Automobil-Ränge

Aus den Obermatt Value-Rängen wird deutlich, dass Volkswagen die besten Aussichten aufweist, gefolgt von Daimler und BMW. Ziemlich düster sieht es dagegen bei Nissan, Honda, Toyota und GM aus. Sie alle befinden sich auf einem ähnlich tiefen Aktienpreis-Niveau und erhalten dafür gute Value-Ränge.

Was halten Sie von den Rängen? Entsprechen sie Ihrer Einschätzung, wie Sie über diese Unternehmen und deren Zukunft denken? Für mich ergibt der hohe Value-Rang von Toyota keinen Sinn. Ich zum Beispiel würde Toyota kaufen, weil sie gute Autos produzieren. Und da das Unternehmen einen hohen Value-Rang hat, muss es in Zukunft nur durchschnittlich performen, um eine gute Rendite auf dem aktuellen Aktienkurs zu erwirtschaften.

Und jetzt noch etwas Unterhaltsames. Hier haben wir die Value-Ränge von Pepsi und Coca Cola:

Pepsi und Cola Ränge

Was halten Sie davon? Es gibt viele Möglichkeiten, die Ränge zu deuten. Etwa die, dass zucker- und koffeinhaltige Getränke Menschen süchtig machen. Deshalb werden diese Unternehmen auch in Zukunft noch eine lange Zeit hervorragende Ergebnisse einfahren. Und das wiederum bedeutet, dass die niedrigen Value-Ränge nicht wirklich ein Problem darstellen.

Andererseits könnte man auch argumentieren, dass Zucker das Nikotin der Zukunft ist. Die Leute werden immer weniger davon konsumieren. Dadurch werden die Aktien solcher Unternehmen unterdurchschnittlich auf dem Markt abschneiden. Die niedrigen Ränge sind somit zu niedrig und die Aktien viel zu teuer.

Sie könnten bei Ihrer Deutung aber noch origineller werden und schlussfolgern: Da der Lebensstandard der Menschen immer mehr ansteigt, ist es nur wahrscheinlich, dass sie auch immer mehr zu teureren und ausgefallenen Getränken greifen. Anstatt sich ihr Koffein aus dem schnöden Zuckerwasser zu ziehen, wird die Entscheidung immer häufiger auf Alternativen wie Spezialitätenkaffee fallen.

Wenn Sie strategisch an die ganze Sache rangehen, ist auch folgende Interpretation möglich: Beide Unternehmen werden sich anpassen und mit neuen Getränken aufwarten. Dies wiederum könnte dazu führen, dass der Markenname kaum noch hilfreich sein wird. Im Gegenteil – er könnte zu einem Hindernis für sie werden, da die Menschen schlechte Assoziationen mit ihm verbinden. Auch das wäre ein Grund, im Hier und Jetzt keinen hohen Preis für die Aktie zu zahlen.

Vergleicht man ausschliesslich Coca Cola und Pepsi direkt miteinander, könnten Sie zum einfachen Schluss gelangen, dass Ihnen Coca Cola mehr schmeckt und deshalb halten Sie es für gerechtfertigt, dass sie teurer ist und ihr Value-Rang weiter unten liegt. Sie könnten aber auch genauso gut das Gegenteil behaupten.

Auch möglich, dass Sie zuckerhaltige Getränke verabscheuen und deshalb nicht in Firmen dieser Art investieren wollen. Das ist nur fair. Sie verlieren übrigens kein Geld, wenn Sie nicht hier, sondern woanders investieren. Niemand kann gleichzeitig in alle Aktien investieren – und selbst wenn, so würde er nur einen Bruchteil von jeder Aktie im Vergleich zum Gesamtvermögen erhalten. Nichts, über das man sich sorgen sollte.

Wie Sie sehen, gibt es unzählige Möglichkeiten, die Zukunft zu betrachten. Wie und woran Sie glauben, hängt bei Ihrem Geld ganz und alleine von Ihnen ab.

Was tun, wenn die Aktie unbekannt ist?

Zu guter Letzt stellen wir uns der Frage, was Sie bei Aktien machen sollen, die Sie selbst nicht kennen. Die schlichte Antwort ist: Lernen Sie sie kennen! Es macht mehr Spass als Sie denken. Ich wurde oft von all den unterschiedlichen Geschäftsmodellen der Unternehmen überrascht; auch finde ich all jene Unternehmen interessant, die sich mit Dingen und Themen befassen, die ich selbst unterstütze und schätze, wie etwa:

Obst – Total Produce aus Irland
Batterie-Recycling – Umicore aus Belgien
Energieversorger mit starker Solar-Strategie – Endesa aus Spanien
Holz für Kleiderfasern – Lenzing aus Österreich
Rote Schokolade – Barry Callebaut aus der Schweiz

Beginnen Sie bei guten Obermatt Rängen die Ihnen noch unbekannten Unternehmen einfach zu googlen. Ich bin mir sicher, auch Sie werden so manchen Kandidaten entdecken, den Sie interessant finden und den Sie unterstützen möchten. Es macht Spass und ist bereichernd, nach all den unterschiedlichen Unternehmen in dieser weiten Welt Ausschau zu halten. Versuchen Sie es selbst!



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