Economic Value Added (EVA, xVA)

Der Economic Value Added (EVA) ist eine sogenannte Spitzenkennzahl. Das heisst, er beinhaltet alle anderen Finanzkennzahlen. Aus diesem Grund wird der EVA auch für wertorientierte Bonussysteme, rsp. indexierte Bonuspläne verwendet. Er ist auch Basis der indexierten Leistungsmessung (siehe Strategieindex).

Definition

Economic Value Added = Net Operating Profit after Tax (NOPAT) - Kapitalkosten

Net Operating Profit after Tax = Adjustierter Net Operating Profit before Tax * (1 - Steuerrate)

Adjustierter Net Operating Profit before Tax = Earning before Interest and Taxes (EBIT) - Adjustierungen

Kapitalkosten = Durchschnittlich Investiertes Kapital * Kapitalkostensatz

Der Durchschnitt ist auf dem investierten Kapital zu Beginn der Periode und zu Periodenende berechnet.

Investiertes Kapital = Anlagevermögen + Nettoumlaufvermögen

Nettoumlaufvermögen = Umlaufvermögen - Barmittel und kurzfristige Finanzanlagen - Kurzfristige Verbindlichkeiten + Kurzfristiger Anteil der zinstragenden Verbindlichkeiten (in den kurzfristigen Verbindlichkeiten)

Messung der Wertentwicklung

Von zentraler Bedeutung ist der Delta Economic Value Added, also die Differenz zwischen dem EVA am Ende einer Periode und zu Beginn einer Periode. Nur der Delta EVA gibt an, ob Wert in einer Periode geschaffen wurde oder nicht.

Der EVA alleine gibt noch nicht an, ob die Periodenleistung gut war, denn der absolute EVA ist von historisch bedingten Kapitalkosten geprägt, die mit der aktuellen Periode wenig zu tun haben müssen und auch stark von vergangenen Buchhaltungsregeln beeinflusst sind.

Anwendungen

Der Economic Value Added wird mittels Werttreiberbaum auf seine Wertquellen aufgeteilt. Um dies durchzuführen, sind die Finanzkennzahlen des Werttreiberbaums mittels Indexierung Operativer Performance zu messen. Besonders wichtig sind die Auswertungen Operativer Rang, Operatives Radar und Operativer Beitrag. Diese Auswertungen teilen den Economic Value Added in dessen Wertquellen auf - ohne dass externe Effekte die operative Leistungsmessung beeinträchtigen würden. Eine Übersicht der Auswertungen befindet sich hier.

EVA Adjustierungen

Mittels Adjustierungen werden nicht-betriebliche und rein buchhalterisch begründete Positionen im Gewinn korrigiert:

Grundsätzlich findetet jede Buchhalterin selbst die notwendigen Korrekturen, wenn sie sich die hypothetische Frage stellt, ob sie damit einverstanden wäre, dass der persönliche Lohn vom resultierenden Gewinn direkt abhienge.

Notwendige Adjustierungen werden dann schnell klar. Der Leitgedanke besteht darin, dass die Adjustierung barwertneutral erfolgt, also den Barwert langfristig nicht ändert: Aufwände können aktiviert werden oder Abschreibungen und Amortisationen können eliminiert werden, die entsprechenden Aktiva reduzieren sich dann aber nicht im investierten Kapital.

Dabei ist zu beachten, dass der der NOPAT möglichst nahe am offiziellen Gewinn bleibt, weil mit jeder Abweichung der Erklärungsbedarf steigt. Dies ist dann der Input zu EVA.

EVA Steuern

Zur Berechnung des NOPAT für den Economic Value Added (EVA) sind die Steuern der zu beurteilenden Periode zu bestimmen. Dies kann aus dem aktuellen Steueraufwand und den Veränderungen der Steuerpositionen in der Bilanz abgeleitet werden. Wichtig ist, dass die effektiv im Betrachtungsjahr anfallenden Steuerfolgen ermittelt werden und nicht Effekte aus vor- und nachgelagerten Perioden in die aktuelle Steuerbelastung einfliessen.

Oft wird für die EVA Berechnung ein einfacher, fester Steuersatz verwendet, um allfällige Erklärungsnotstände möglichst zu reduzieren. Dies lenkt die Aufmerksamkeit der operativen Führung nicht mehr auf Steuereffekte (was aber in speziellen Situationen durchaus wünschenswert ist), weil Steuerplanung zentral vorgenommen wird. Sollte sich die Steuersituation nachhaltig verändern, dann ist der Steuersatz im Voraus anzupassen.

Kapitalkostensatz

Der Kapitalkostensatz ist die erwartete Rendite auf dem investierten Kapital (Berechnung).

In der Equity Methode wird die erwartete Eigenkapitalrendite verwendet (siehe Kapitalkosten).

In der Entity Methode wird ein gewichteter Durchschnitt aus Eigenkapitalrendite und Fremdkapitalzinsen berechnet.

Die Fremdkapitalzinsen lassen sich direkt aus bestehenden Verträgen ableiten. Die Eigenkapitalrendite ist nicht messbar und wird in der Regel aus historischen Eigenkapitalrenditen abgeleitet. Eine Methode dafür ist das Capital Asset Pricing Model. In diesem Modell wird das Market Risk Primium mit dem Risikofaktor beta multiplizert (plus eine risikolose Rendite). Weil auch Beta schwer zu messen ist, wird dafür oft ein Branchendurchschnitt verwendet.

Kapitalkosten

Die Kapitalkosten sind der absolute Euro/Dollar Betrag, die der Investor für die zur Verfügungstellung des Kapitals erwartet. Für die Value Added Berechnung wird dieser Betrag auf dem Buchkapital durch Multiplikation des investierten Kapitals mit dem Kapitalkostensatz berechnet und ist damit eine historische Grösse. Es werden zwei Verfahren für die Berechnung des investierten Kapitals unterschieden:



Dies fliesst dann in die EVA Rechnung ein.